Seit 1992 engagiert sich die Bundesregierung in der Humanitären Minenräumung weltweit. Neben der Ächtung von Antipersonenminen, verbunden mit einem Produktions- und Verbreitungsstop, ist die aktive Minenräumung das wichtigste Instrument zur Reduzierung der Folgen durch den Einsatz dieser Waffe.
Unter dem Begriff der „Humanitären Minenräumung" versteht man, in Abgrenzung zur „Militärischen Minenräumung", das Suchen, Finden und Vernichten von Minen und Blindgängern sowie anderen militärischen Sprengkörpern, mit dem Anspruch einer hundertprozentigen Räumsicherheit.
Humanitäres Minenräumen soll eine gefahrlose Nutzung des ehemals verminten Gebietes möglich machen, während die militärische Minenräumung in erster Linie die Mobilität der eigenen Truppen gewährleisten soll.
Da es nach Kampfhandlungen oftmals zu einem kombinierten Vorkommen von Minen und Blindgängern auf einer zu räumenden Fläche kommt, spricht man in einem solchen Fall auch von Schlachtfeldräumung (engl. battle area clearance BAC)
Eine wirklich 100 %ige Räumsicherheit lässt sich nur in dem unrealistischen Szenario erreichen, in dem die Gesamtstückzahlen der auf einer Fläche vorhandenen Minen und Blindgänger bekannt sind. Nur in diesem Falle wäre der Saldo zwischen verlegten und gefundenen Minen NULL.
In allen anderen Fällen bleibt eine gewisse Unsicherheit, ob nicht doch ein Stück übersehen wurde, bestehen.
Qualitätskontrolle AA-Fläche in Vorort von Sarajevo
Man unterscheidet zwei Hauptgruppen von Minen nach den zu bekämpfenden Zielen. Die Minen, mit denen Personen, also gegnerische Soldaten, direkt getroffen werden sollen, heißen AntiPersonenMinen (APM).
Klassische APM haben eine Sprengstoffladung von ca. 25g bis 300g und rufen meist schwerste Amputationsverletzungen an der Extremität hervor, die der Mine bei Explosion am nächsten war (z. B. Fuß/Bein).
1
Minen, die gegen Transportfahrzeuge und Panzer gerichtet sind, heißen AntiTankMines (ATM). Sie haben Sprengstoffladungen von ca. 2kg bis 10kg und richten schwere Schäden an Fahrzeugen und deren Besatzungen an.
Minen werden klassischerweise verdeckt verlegt und hierzu eingegraben und mit Erdreich bedeckt.
Zum Aufspüren verdeckt verlegter Minen werden seit jeher Minensuchnadeln und Metalldetektoren eingesetzt. Die Minensuchnadeln sind spitze Eisenstangen mit Griff, vergleichbar einem großen Schraubenzieher. Mit diesem Werkzeug wird in den Boden eingestochen und auf Widerstände geachtet. So lassen sich harte Gegenstände sondieren.
Die Metalldetektoren können magnetisches Material erkennen und werden dicht über der Bodenoberfläche hin- und hergeschwenkt. Das Vorhandensein von magnetischem Material wird durch ein akustisches Signal angezeigt.
Wie man sich unschwer vorstellen kann, sind diese Techniken sehr langsam und nicht ganz ungefährlich, da sich der Minenräumer in sehr kurzem Abstand zum explosiven Fundstück befindet.
Es mussten also ergänzende Techniken gefunden werden, die die Schnelligkeit, Sicherheit und Effizienz des humanitären Minenräumens erhöhen konnten.
Seit Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts trainiert man nun geeignete Hunde für die Minensuche.
Hunde können Sprengstoff wittern und sie können in ihrem Verhalten so abgerichtet werden, dass sie Sprengstoff anzeigen, ohne sich selbst oder den Hundeführer zu gefährden.
Ebenfalls Mitte der 90er Jahre, unter Außenminister Kinkel, wurden die Entwicklung und der Einsatz mechanischer Minenräumgeräte vorangetrieben. Heute sind mechanische Minenräumgeräte ein fester Bestandteil der sogenannten Entminungswerkzeugkiste (engl. toolbox approach). Klassische mechanische Minenräumgeräte bestehen aus einem gepanzerten Bulldozer, bei dem das Planierschild gegen eine Frästrommel oder eine rotierende Welle mit Schleuderketten ausgetauscht wurde.
Mit diesen Maschinen kann der Bewuchs auf verminten Flächen gefahrlos klein gehäckselt werden, um so den Einsatz von Minenspürhunden und Minenräumern erheblich zu erleichtern. Meistens werden bei dieser maschinellen Vorbereitung bereits viele Minen zerstört und unschädlich gemacht. Das wiederum verringert die Gefährdung für Mensch und Hund enorm.
In Europa gilt Bosnien Herzegowina (BiH) als das am stärksten verminte Land.
In Jahr 2009 waren noch immer 1.620,70 km2 oder 3,16 % des Landesterritoriums als vermint oder wahrscheinlich vermint gemeldet.
Landminen sind das bei weitem größte Problem für die Sicherheit der Bevölkerung und den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes.
Die Bundesrepublik ist mit den USA und Norwegen der drittgrößte Geldgeber für die Minenräumung in BiH.
Der DEMIRA, Deutsche Minenraeumer, e.V. engagiert sich seit 1999 in der humanitären Minenräumung in BiH. Unser wichtigster Partner in der Projektarbeit ist hierbei das Auswärtige Amt.
Das AA bekommt von uns im Rahmen eines Projektantrages verschiedene Gebiete hoher und höchster Priorität zur Räumung vorgeschlagen.
Bei der Auswahl dieser Flächen achten wir besonders auf einen direkten Nutzen für die lokale Bevölkerung.
Vorrangiges Ziel ist es, das Leben und Überleben in den betroffenen Gebieten zu sichern oder wieder möglich zu machen.
Dazu gehören insbesondere die Bereitstellung landwirtschaftlicher Flächen, die Sicherung von Wohnraum und die Rehabilitierung von wichtigen Infrastrukturen wie Schulen, Straßen und Wasserwirtschaft.
In enger Zusammenarbeit mit dem zuständigen Sachbearbeiter im AA, seit 1996 ein vom BMVg abgestellter Pionieroffizier, wird dann der Projektumfang festgelegt.
Alleine für Projekte des Auswärtigen Amtes halten wir permanent 3 komplette Minenräumteams mit 24 Minenräumern, 4 Minenhundeteams, 2 mechanische Minenräumgeräte und 2 Krankenwagen mit Besatzung vor.
Vom Auswärtigen Amt erhielten wir im Zeitraum 2007-2009 bilaterale Zuwendungen in Höhe von EUR 1.395.745.
Mit diesen Mitteln konnten wir 1.573.632 m2 vermintes Land räumen und an die lokale Bevölkerung zurückgeben. Damit erreichen wir einen Bedarf von 0,89EUR/qm.
Wir möchten diese Gelegenheit nutzen, uns bei den Mitarbeitern des BVA für die gute Zusammenarbeit und die geduldigen Erläuterungen zum Zuwendungsrecht ganz herzlich zu bedanken und wünschen alles erdenklich Gute für das neue Jahr 2010.